Trittschallschutz im Wohneigentum? BGH Urteil vom 01.06.2012

 

Der Bundesgerichtshof hat im Rahmen einer Auseinandersetzung dahingehend Stellung genommen,welcher Mindeststandard an Trittschallschutz unter Wohneigentümern gewährleistet sein muss. Das Gericht bestätigt darin die Rechtssprechung, die bereits zu vergleichbaren Fällen im Verhältnis Vermieter ? Mieter ergangen ist.

Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen 2 Wohnungseigentümern war, dass in einem 1966 errichteten Wohngebäude der Eigentümer der oberen liegenden Wohnung den Teppichboden, der auf dem ursprünglich verlegten Parkett verlegt war, entfernen und durch Laminat und Fliesen ersetzen ließ. Darunter litt der Trittschallschutz enorm. Die Kläger und Eigentümer der darunter liegenden Wohnung verlangten daraufhin eine verbesserte Trittschalldämmung.

Zu Unrecht wie der BGH nun entschied.

Zwar seien Wohnungseigentümer untereinander gem. § 14 Absatz 1 WEG verpflichtet, die eigene Wohnung nur derart zu nutzen, dass den anderen Mitgliedern der WEG kein unvermeidlicher Nachteil zugefügt wird. Doch maßgeblich für die Frage, welcher Trittschallstandard einzuhalten sei, sei die jeweilige Schallschutznorm zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes. Die entsprechende Norm DIN 4109 aus dem Jahre 1962 war vorliegend eingehalten. Als Begründung führt der BGH an, dass anderenfalls jeder Eigentümer verpflichtet wäre, bei Änderungen der Schallschutznormen auch verbessernde Maßnahmen bezüglich des Schallschutzes vorzunehmen.

Auch aus der Tatsache, dass zwischenzeitlich Teppichboden über dem ursprünglichen Parkett verlegt worden war, ändere daran nichts. Schließlich sei jeder Eigentümer bezüglich der Bodenbelagswahl frei. Es gebe keinen Anspruch auf die Beibehaltung eines vorhandenen Trittschallschutzes sondern nur einen Anspruch auf Einhaltung der schallschutztechnischen Mindestanforderungen.

Praxishinweis:

Der BGH folgt wie bereits erwähnt seiner Rechtsprechung zu Mietverhältnissen, bei der es regelmäßig um die Frage ging, ob ein nicht eingehaltener Schallschutz einen Mietmangel darstellt. Für Wohneigentümer ist darüber hinaus zu beachten, dass sich aus den Gemeinschaftsordnungen und Vereinbarungen gegebenenfalls andere Anforderungen an den Schallschutz ergeben können. Vorliegend war dieses nicht der Fall, so dass die DIN 4109 heranzuziehen war. Darüber hinaus könnte sich eine andere Betrachtung bzw. andere Anforderungen an den Schallschutz dadurch ergeben, dass nach Errichtung des Gebäudes, z.B. durch Erneuerung von Estrich und Geschossdecke, in die Gebäudesubstanz eingegriffen wurde.

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Ansprechpartner: Rechtsanwalt Per-Hendrik Ipland

 

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